450 Jahre Evang.-Luth. Pfarrei Plößberg

Bis zur Errichtung der Evang.-Luth. Pfarrei Plößberg im Jahre 1557 gehörten Plößberg, Schönkirch und Wildenau zur Mutterpfarrei Floß. Da unsere Kirchengemeindeorte zum Amt Floß gehörten, kamen sie 1505 mit Gründung des Fürstentums Neuburg in diesen Herrschaftsbereich.

Die Hofmarksherren Georg Ochs zu Plößberg, Leonhard von Petzenstein zu Schönkirch und Christoph von Reitzenstein zu Wildenau veranlassten 1557 ohne Wissen und Zustimmung des damaligen Pfarrers Nicolaus Hecht von Floß die Errichtung der selbständigen Pfarrei Plößberg unter dem zuständigen Superintendenten Dr. Johannes Faber zu Burglengenfeld. Dabei entzogen die Lehensherren dem Floßer Pfarrrer gleichzeitig die Zehentansprüche zur Unterhaltung eines eigenen Pfarrers.

In einer Aufzeichnung des Nachfolgers von Dr. Faber, der 1569 verstarb, nennt Superintendent Mag. Joh. Tettelbach, Burglengenfeld, als erste Pfarrer in Plößberg Georg Sturm, Thomas Gartner und von 1563-1571 Dionys Halbritter.

Kaum hatten die Wirren des 30-jährigen Krieges (1618-1648) eingesetzt, begann die Gegenreformation mit der Vertreibung des evang. Pfarrers Johannes Schletz am 18.9.1627 unter der Regierung des wieder katholischen Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Neuburg. Herzog August von Sulzbach widersetzte sich zwar, doch konnte er die Unterbrechung der evangelischen Religionsausübung nicht verhindern. Nachfolger Herzog Christian August führte seit 1632 den Kampf um die Erhaltung des Protestantismus im Sulzbacher Land fort. Am 22.02.1652 kam mit dem Kölner Vergleich die Einführung des Simultaneums zustande.

Bereits 1649 folgte mit Johann Georg Harrer wieder ein evangelischer Pfarrer zu Plößberg und Püchersreuth. Bis 1820 wechselte der Pfarrsitz zwischen den Orten Plößberg, Püchersreuth und Wilchenreuth. Es war Pfarrer Franz Bernhard Volkmar Holste (1786-1821), der den Pfarrsitz 1820 wieder von Wilchenreuth nach Plößberg verlegte. Die kombinierte Pfarrei Plößberg-Püchersreuth-Wilchenreuth wurde 1837 getrennt. Schönkirch und Wildenau blieben, wie schon immer, bei Plößberg.

Unter Pfarrer Johann Gottlieb Hoffmann (1842-1853) und Pfarrer Bernhard Jakob Leykauf (1854-1866) wurde unsere heutige St. Georgskirche nach Abbruch der baufälligen Vorgängerkirche größer neu als Simultankirche aufgebaut. Das Simultaneum wurde 1911 in Wildenau und 1912 in Plößberg unter Pfarrer Konrad Keilholz aufgelöst.

Die Burgkapelle St. Michael, Schönkirch, kam 1920 durch Schenkung des Freiherrn von Podewils, Wildenreuth, mit 5000 RM Baukapital und 4 ½ Tagwerk Ödgrund in den Besitz der evangelischen Gemeinde Schönkirch unter Pfarrer Friedrich Georg Ernst (1919-1928).

Pfarrer Lic. Dr. Paul Bail wirkte von 1928-1941 in Plößberg, darunter fiel auch die Zeit des Kirchenkampfes im sogen. Dritten Reich. Er war Herausgeber eines Leitfadens für den Konfirmandenunterricht und das christliche Leben 1932 und Verfasser vieler Gedichte, darunter eines über die Silberhütte. Inhaber der Pfarrstelle Plößberg von 1941-1962 war Pfarrer Dr. Walter Rothgangel, dieser wurde auch zum Ehrenbürger der Ortes Plößberg ernannt. In seine Wirkungszeit fiel die Anschaffung von vier neuen Bronzeglocken 1950 und eine umfangreiche Renovierung der Kirche 1957-1959. Auch ein Posaunenchor wurde 1958 gegründet. 1960/61 Renovierung der Michaelskirche Schönkirch.

In den zurückliegenden Jahren waren bis heute in der Pfarrei Plößberg tätig: Pfarrer Reinhard Crämer (1963-1972); Pfarrer Hermann Lämmermann (1972-1978); Pfarrer Rainer Pajonk (1978-1985); dann eine lange Vakanz von 21 Monaten; Pfarrer Jürgen Körnlein, jetzt Dekan und 1. Pfarrer an St. Lorenz in Nürnberg (1987-1992); Pfarrer Jürgen Rix (1992-2000); Pfarrer Hans-Joachim Nolda (2001-2005); und nunmehr mit Pfarrerin Kim Dämmer seit Oktober 2006 die 36. und erstmalige Pfarrstelleninhaberin.

Ich schließe mit dem zuversichtlichen Wunsch, dass sich auch weiterhin eine lebendige Gemeinde in unseren Kirchen zu allen Zeiten im Gebet zu den Gottesdiensten und zum Hl. Abendmahl versammelt. "Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt." (Psalm 26,8)

Hermann Heß